Konzepte des Unterwegs-seins
Gang - Fahrt - Reise
Im germanischen Sprachraum erscheinen die ältesten noch aktiven Konzepte als Gang, Fahrt und Reise, wobei sich Letzteres als Generikum durchgesetzt hat:
Offensichtlich ist dies inhaltlich unzureichend, nicht konsistent oder auch widersprüchlich. Davon abweichend dient hier der Begriff des Unterwegs-Seins als Oberbegriff und terminus technicus für den gemeinsamen, allgemeinen Bedeutungsgehalt der Konzepte wie etwa Gang, Fahrt, Reise. Betrachtet man diese als soziotechnische Handlungssysteme, so zeigen sich spezifische Unterschiede im Handlungsablauf, in Phasen und Figuren, siehe die Liste der Reisenden.
Breidbach 1) fand 358 verschiedene Bezeichnungen für Fortbewegung (mehr siehe dort) in den ältesten Quellen der sieben altgermanischen Sprachen 2) und reduzierte diese auf 21 Stämme für das `sich-fortbewegen´ des Menschen. Von diesen ist *faran die produktivste, etwa in Fahrt, Fahrzeug, Gefahr, Gefährte, fertig u.a. Da jeder dieser Stämme von einem anderen Verb ausgeht, enthalten sie auch andere Bedeutungen, welche zum Zeitpunkt ihrer Entstehung als etwas Anderes für das Unterwegs-sein, zu ihrer Zeit Neues wahrgenommen wurden.
Der Gang
Aus dem zugrundeliegenden Handeln (angezeigt durch Verben der Fortbewegung wie germ. gangan, wegan) wird eine abstrakte Tätigkeit (Nomina wie Gang oder Weg).
Die Vorstellung vom Unterwegs-sein als Gang ist älter als die der Fahrt (aengl. gang < anord. gangr, ahd. gang, got. gaggan, IE *ĝhengh-, Sanskrit jangha 'Fuß' und jáṁhas- 'Schritt') und zeigt zahlreiche germanische Ableitungen.
In den ältesten Belegen gehen die Vorstellungen von Gang und Weg ineinander über, sowohl im Deutschen 3) als auch im Griechischen 4).
Der Gang wurde so wie der Weg als Mittel zum Ziel verstanden, wobei der Weg zielführend ist.
Wege sind jedoch das Ergebnis eines anhaltenden gemeinschaftlichen Handelns. Wer den Weg geht, folgt dem Weg, den schon viele gegangen sind.
Der Gang erscheint als (selbstauferlegte) Pflicht (eines Einzelnen) zur mühsamen Erfüllung einer Aufgabe und endet damit, bezieht sich also nicht auf den Rückweg. Er bedarf keiner besonderen Erlaubnis und keines weiteren Mittels und legitimiert sich durch den gewählten Weg, daher enthält die Vorstellung vom Gang weder Angaben über verwendete technische Mittel noch über ein bestimmtes Ziel oder den verfolgten Zweck.
Unterschieden davon sind
der weglose Gang, z. B. Jagd,
der zweckfreie Gang, z. B. Wandern, Wandeln,
die Sendung als auferlegte Pflicht in den Raum einer anderen Gemeinschaft und der erlaubten Rückkehr erst nach erfüllter Aufgabe.
Beispiele: Gang nach Canossa, Spaziergang nach Syracus.
Phasen: Ausgang, Durchgang/Übergang, Eingang, Aufgabe erfüllen.
→ 'Weg' in den indogermanischen Sprachfamilien
Die Fahrt
Die Begrifflichkeit (Fahrt, Kehre, Aufbruch) wurzelt in der Tätigkeit des Ackerbauern und seiner (kleinen) Fahrt zum Acker. Das Aufbrechen der Brache setzt sich mit der Tätigkeit des Pflügens zwischen den Ackergewänden fort als einer gleichbleibenden Folge sich wiederholender Tätigkeiten: in der Furche gehen bis zum Rain (Gewände) und wenden mit Kehr und Gegenkehr. Diese Tätigkeit war überlebenswichtig für die Gemeinschaft.
Die »Große Fahrt« spiegelt die Phasen der kleinen Fahrt: die Furche wird zum Weg, das Gehen zum Gang, die Wendepunkte zu Umkehr und Heimkehr. Während die kleine Fahrt im vertrauten, befriedeten Raum stattfindet, verlangt die Große Fahrt nach einem Übergang hinaus in den Zwischenraum.
Die langobardische fara, die Fahrensleute (Heuerleute, Fahrensmann) und das Fahrende Volk bilden je eigene Gemeinschaften, die unterwegs sind. Die fahrende Gemeinschaft ist unterwegs auf neuen (unbekannten) Wegen und sucht einen neuen Lebensraum.
Die Fahrt Einzelner ist jünger und verlangt nach Legitimation. Während der Landmann mit seiner kleinen Fahrt die Voraussetzung für die Ernte schafft, ist der Nutzen des Fahrenden für die Gemeinschaft nicht offensichtlich und zudem unsicher, daher sind zwei Möglichkeitsräume erforderlich:
Die Fahrt als Handlungskreis
Die Fahrt ist eine gemeinschaftlich anerkannte Methode, die ein technisches Sachsystem verwendet (Boot, Fuhrwerk). Dazu findet sich altnordisches fǫr und altenglisches faru, beide aus der Wurzel *pór-o- < *per- etwas Begrenztes 'durchdringen' bzw. 'übersetzen' (mit dem Boot). Griechisches póros πόρος bezeichnet eine Furt ebenso wie einen bestimmten Seeweg. Davon abgeleitet ist peráō περάω 'durchdringen, hinüber, hindurch' (engl. to penetrate, franz. traverse), also von einer Seite zur anderen gelangen.
Die Reise
Die indogermanischen Wurzeln *er-, *or-, *ir- bedeuten ‘sich in Bewegung setzen, erregen, in die Höhe bringen (auch von Bewegung nach abwärts)’ 5) und verweisen auf einen kraftvollen Vorgang mit dem Ziel erfolgreich zurückzukehren, etwas mitzubringen. Bevor es Einzelreisende gab, bildeten sich Reisegesellschaften. Dem entspricht im Englischenexplorationals einprocess of investigatinghin zu einem lohnenswerten Ziel: Reichtum, Gesundheit, Informationen, Kolonisation … .
Neuzeitlicht verengt sich die Vorstellung den Einzelnen:»Die Reise ist nämlich ein Ortswechsel, der von einem dazu geeigneten Menschen unternommen wird aus der Begierde und dem Wunsch, auswärtige Orte zu durchwandern, zu besehen und kennenzulernen, um dort irgendein Gut zu erwerben, das entweder dem Vaterland und den Freunden oder uns selbst nützlich sein könnte«, Samuel Zwicker 1577 6)
Die aggressive Bedeutung ist im englischen rise on noch lebendig, im Sinne von Segel setzen, kämpfen, plündern, rauben. Dieselbe Bedeutung hat das griechische Ταξείδιον (latinisiert tassedium), ursprünglich als eine expeditio bellica ‚kriegerische Reise‘ gedeutet 7), wobei die Aufgabe des Anführers ‚procertari‘ genannt wird, also ‚sich auf einen Kampf einlassen‘. Das zugrunde liegende Verb ταξείδεὑειν kann auch mit navigare (‚segeln‘) übersetzt werden. Im 11. Jahrhundert schließlich bezeichnet das Wort Taxedion im Venezianischen eine bestimmte Art von Geschäftsunternehmungen (‚Collegantia‘) 8). Gewinnbringendes Reisen ist das Gegenteil von ziellosem Wandern, es schafft Werte und bringt Nutzen (lat. utilitas > frz. profit). Doiron zitiert»avec le profit tirer de l’honneur«9) als ein verbindendes Element von Adel und Bürgertum im Verständnis von Reisen.
Doiron, Normand
L'être et l'espace. Dix-septième siècle.
3.252 (2011) 489-500. DOI : 10..
Online
Beispiele: Heidenreise, Preußenreise
Phasen: Sich erheben, Abreise, Anreise, Begegnung und Auseinandersetzung, Heimreise.
Unterscheidungsraster
| Unterwegs-sein | Gang | Fahrt | Reise |
| Gemeinschaft | innerhalb der G. | mit der G. | außerhalb der G. |
| | | | |
| Ziel | am Ende des Weges | neue Wege suchen | Rückkehr mit Erfolg/Erfahrung |
| Raumvorstellung | Landgang, Waldgang
Weidegang | Tal-, Berg-, Fluss-
See-, Meerfahrt | Seereise
Weltreise |
| Orientierung | Irrweg, Irrgang | Irrfahrt | — |
| übertragen | Übergang | Himmelfahrt
Höllenfahrt | Lebensreise
Traumreise, Zeitreise |
| Zweck | Bitt-, Bußgang,
Erkundungsgang,
Opfer-, Waffengang | Heerfahrt
Kaperfahrt
Kundfahrt | Bildungsreise
Geschäftsreise
Kriegs-, Heiden-,
Preußenreise |
| sinnbefreit | Müßiggang
(Wallern, Wandern) | unendliche Fahrt | Reise ohne Wiederkehr |
| | | | |
| Figuren | Botengang | Brautfahrt
Pilgerfahrt | Heldenreise |
| Begleiter | | Gefährte | Reisegeselle |
| Gruppe | | fara, Fahrensleute (See)
Fahrendes Volk (Landfahrer) | Reisegesellschaft |
| | | | |
| Mittel | Weg | Boot
Fuhrwerk | Ausrüstung
Waffen, Waren |
| | | | |
| ie. Wurzel | *g̑hē-, *g̑hēi- | *per- | *er-, *or-, *r- |
| Vorstellung | leer sein, fehlen,
verlassen | hinüberführen, -bringen,
-kommen, übersetzen,
durchdringen | sich in Bewegung setzen,
erregen, auf-/absteigen |
| Quelle DWDS 10) | gehen | fahren | reisen |
Die Unterschiedlichkeit der Konzepte von Gang, Fahrt, Reise zeigt sich verschiedentlich
Die unelastischen Wortstrukturen (morphosyntaktische Starrheit) der zusammengesetzten Begriffe (Determinativkomposita) spiegelt das sprachliche Gedächtnis des Unterwegs-Seins als soziotechnisches Handlungssystem mit seinen ursprünglichen Bedingungen und Grenzen.
Das Grundwort -gang, -fahrt, -reise sträubt sich gegen ein Bestimmungswort 11): Die Fahrt wehrt sich gegen Figuren, nicht aber gegen Gruppen (Klassenfahrt, Kreuzfahrer). Der Gang verträgt keine Fortbewegungsmittel. Einzig das Pilgern kombiniert sich zwanglos mit allen drei Konzepten, das Wandern dagegen nicht.
Der „Gang nach Canossa“ von 1077 war keine „Fahrt“, weil König Heinrich IV. auf erleichternde Hilfsmittel verzichtete und auch keine neuen Wege suchte. Er war auch keine Reise, weil ihm der aggressive Aspekt fehlte, der damals mit dem Reisen verbunden wurde, denn der König kam als Büßer und Bittsteller und bat Papst Gregor VII. den Kirchenbann aufzuheben.
Andere Konzepte des Unterwegs-Seins
Der Gang und der Weg verschmelzen zu einer untrennbaren Einheit, wobei sowohl Gang als auch Weg als Mittel dienen, während der Weg zielführend ist. Da der Weg als Ergebnis eines anhaltenden gemeinsamen Handelns entstand, ist er auch gemeinschaftlich legitimiert. Dies bildet das einfachstmögliche Handlungssystem zum Unterwegs-sein.
Von 'Weg' abgeleitete Konzepte
In vielen Sprachen basieren die Vorstellungen des Unterwegs-Seins auf dem Weg und ergänzen diesen durch eine weitere Vorstellung:
| Sprachraum | Weg | + … | > abgeleitet 'Unterwegs-Sein' |
| romanisch | via- | -āticus
'zum Weg gehörig
| viaticum > viaggio, viaje, viagem, voyage |
| slawisch | put- | -šéstvije
'Prozession' | puteshestviye, podorožnij, podróżny
altkirchenslawisch Пѫтѥшьствиѥ |
| | cesta- | | cestující |
| finnisch | matka- | -kustaja | |
| ungarisch | ut- | -azas | Vergleich mit uralischen Sprachen,
zahlreiche Quellen: Uralonet |
| albanisch | udhe- | | udhëtar |
| baskisch | bide- | -arte | |
| türkisch | yol- | -cu
'zum Weg gehörige Gruppe' | yolculuk |
| pers./hindi | rāh- | -kāţsā
' nehmen' | |
| lettisch | ceļ/š- | | ceļojums |
| litauisch | kelias | | Kelionė 'reisen' → Alew |
| georgisch | gz-a | gz-av-n-a
'senden' | m-gz-av-r-i 'Reisender' |
→ 'Weg' in den indogermanischen Sprachen
Schirato weist darauf hin, dass über die Sprachfamilien hinweg die konkrete Bedeutung von 'Weg' abstrakt übertragen wurde auf die Art und Weise etwas zu tun:
armen. čanaparh ‘manner, method’, griech. ὁδός ‘manner’, irisch. slí ‘means, manner’, bealach ‘direction; manner’, russ. put’ ‘means’, pers. râh ‘mind’, arab. ṭarīqa ‘manner, means; method; system’, hebr. derekh ‘custom’ 12).
Unausgesprochen dabei bleibt die Vorstellung des 'richtigen' Weges, der durch gemeinschaftlichen Gebrauch legitimiert ist, siehe auch baskisch Bidezki 'rightly, legitimately' 13) und türkisch uğur 'Weg, Glück' 14)
Journey & Travel
Im Englischen verdrängten bzw. verhinderten journey bzw. travel die Bildung englischer Parallelen zu den obigen Konzepten, müssen also abweichende Vorstellungen beinhalten. Im Gegensatz zur althochdeutschen Bedeutung verweisen sie eher auf die technischen Bedingungen des Reisens.
Journey (E), journée (F) ist aus dem lateinischen diurnum abgeleitet. Dieses bezeichnete die Strecke, die man an einem Tag zurücklegen kann. Journey enthält zwei besondere Vorstellungen, nämlich
Travel ist über das französische
travail entweder aus dem lateinischen
trabiculare abgeleitet oder überzeugender aus
tripalium. Im Französischen bezeichnet es bis heute Mühe, Arbeit, Anstrengung. Travel in der Auslegung von
Eskénazi erlaubt die Deutung als
Ausbruch aus der Gemeinschaft, nicht nur als Aufbruch, und damit
individuelles Unterwegs-Sein (traveler) mit individuellem Ziel.
Боброва, Екатерина Александровна
Опыт лингвистического исследования эволюции концепта „путешествие“ в англоязычной культуре.
филологических науккандидат филологических наук Иркутск 2006 [=
Bobrova, Yekaterina Aleksandrovna
Opyt lingvisticheskogo issledovaniya evolyutsii kontsepta „puteshestviye“ v angloyazychnoy kul'ture
filologicheskikh naukkandidat filologicheskikh nauk Irkutsk 2006]
Inhalt
Die Autorin untersucht mit linguistischen Methoden das Konzept von
travel in Texten der angelsächsischen Kultur des X-XVIII Jahrhunderts am Beispiel von Beowulf; Der Seefahrer (Cynewulf); J. Chaucer: The Canterbury Tales und J. Swift Gullivers Reisen.
Militär, Meer, Schiff ergeben sich als Elemente der semiotischen Umgebung des Konzepts
travel, als roter Faden erscheint das
Leiden. Die Auswertung etymologischer Wörterbücher zeigt die Merkmale
Tourismus,
Geschäft,
Freizeit,
Reiseschwierigkeiten,
Zeit,
Information,
Neuheit.
Bragantini-Maillard, Nathalie
Du français médiéval travail (lier) à l’anglais travel: parcours d’un régionalisme sémantique.
Zeitschrift für romanische Philologie 138.3 (2022) 649-708.
DOI
Die Autoren zeigen, dass mittelalterliches
travail(lier) erstmals in der zweiten Hälfte des
12. Jahrhunderts im Anglonormannischen auf dem Festland erscheint und von dort Ende des
13. Jahrhunderts ins Mittelenglische übernommen wird.
Coulet, Noël
Introduction. « S'en divers voyages n'est mis… ».
In: Actes des congrès de la Société des historiens médiévistes de l'enseignement supérieur public, 26ᵉ congrès, Aubazine, 1996. Voyages et voyageurs au Moyen Age. pp. 9-29;
DOI Online
Xavier Dekeyser
Travel, Journey and Voyage: An Exploration into the Realm of Middle English Lexico-Semantics.
NOWELE. North-Western European Language Evolution, 25.1 (1995) 127−136
DOI
Der erste Beleg für 'travel' stammt aus dem 14. Jahrhundert
15); travel und voyage verdrängten älteres 'faer'. Journey wurzelt in lateinisch diurnum und gelangte über das altfranzösische jornee 'Tagwerk' ins Mittelenglische, wo es dann eine 'Tagesreise' bezeichnete.
Eskénazi, André
L'étymologie de „travail“.
Romania 126.3 (2008) 296−372.
DOI Online
Franck Lebas
L’arnaque de l’étymologie du mot travail.
1 (2018) 123−127.
Online
Huber, Judith
Of travels and travails: The role of semantic typology, argument structure constructions, and language contact in semantic change
Yearbook of the German Cognitive Linguistics Association, 9.1 (2021) 71−94.
DOI
Колонюк, Сергій
вплив етимології концепту travel (journey) англійської мови на його сучасну смислову структуру
Folium спецвипуск (2023) 81−85
DOI
(=
Serhii KoloniukThe Influence of the Etymology Concept Travel (Journey) on its current meaning structure in english language.)
Gesa Mackenthun,
Andrea Nicolas,
Stephanie Wodianka
Travel, Agency, and the Circulation of Knowledge.
316 S. Münster 2017: Waxmann.
Inhalt Rezension
Siehe insbesondere die Einleitung und die kritische Anmerkung des Rezensenten. Der dort konstruierte Gegensatz zwischen “
travel„ (Reisen) und “
travail„ (Mühsal) einerseits und zwischen Reiselust und Heimatlosigkeit durch Zwang ist zumindest etymologisch fragwürdig, siehe die Analyse von
Eskénazi zu
travail.
Nicholson, G.-G.
Français travailler, travail.
Romania 53.209/210 (1927) 206–13.
Online.
Die lateinischen Wurzeln werden ausführlich diskutiert.
Rothwell, William
Arrivals and departures : the adoption of French terminology into Middle English.
English Studies 79 (1998) 144–165
DOI
Short, Ian
L’anglo-normand au travail.
Romania, 127 (2009) 487–89.
Online
Wu, Yu-Ching
The Travail of Travel: Compassion as Emotional Labor in Ancrene Wisse.
Concentric: Literary and Cultural Studies 48.2 (2022) 5−20.
Online
Voyage
Voyage (E, F) ist aus dem lateinischen viaticum abgeleitet. Dieses bezeichnete das für den Reiseweg (via) notwendig Mitzunehmende. Im Französischen bezeichnet es ein Umherreisen ohne ein bestimmtes Reiseziel.
Pich, Edgard
Essai de lexicographie poétique: le mot „voyage“ Acta Universitatis Lodziensis. Folia Litteraria 35 (1994) 145−155.
Online
Stancu, Adela-Marinela
Le Terme Voyage/Voyageur,-Euse–Commentaires Lexicaux.
Journal of Romanian Literary Studies 26 (2021) 294−298.
Online
Hélène Claudot-Hawad (Hg.)
Voyager d'un point de vue nomade.
Paris-Méditerranée, 2002.
Ein Nomade ist nicht zwangsläufig ein Reisender, und umgekehrt ist ein Reisender nicht zwangsläufig ein Nomade. Der Sammelband setzt sich mit diesen Konzepten auseinander, u.a.:
-
Saskia Walentowitz
„Partir sans quitter“: rites et gestes autour des
déplacements féminins chez les Ineslimen de l’Azawagh
Dida Badi
Le voyage comme fondation de tribu: traditions orales des Ifughas de l’Adagh
Florence Camel
Voyage sous contrôle colonial: les
caravanes de sel des Kel Aïr au début du
XXe siècle
-
Catherine Hincker
Les
bagages du
voyageur:
technique, esthétique et représentations
Marie-France Noel
Cheminement thérapeutique: les Touaregs de l’Adagh entre savoir-être et savoir-faire
Abdoulmohamine Khamed Attayoub
Les mots du voyage : quelques éléments lexicologiques en tetserrét chez les Touaregs Ayttawari Seslem (Azawagh)
-
Tour & Tourist
→ Zeitleiste Touristen
Die Tour ist ihrem Wesen nach zuerst ein Rundgang, da vertraute Wege gegangen und die Gemeinschaft nie verlassen wird, dafür sorgt auch das touristische System. Neu ist dabei das zugrunde liegende Raumverständnis, die Welt wird zum Dorf, das Gewohnte ist überall zuhanden, die Rückkehr ist gesichert. Die Reisegruppe ist eine Komponente der Fahrt. Mit der Reise ist die Tour symbolisch verbunden, Souvenirs und Fotos beweisen den 'Erfolg'.
Löfgren, Orvar
Modes and moods of mobility: Tourists and commuters.
Culture Unbound 7.2 (2015) 175−195.
Online
L'Errance
Im Altfranzösischen bezeichnete das Verb errer, abgeleitet vom spätlateinischen iterare „einen Weg einschlagen“, eine Form des zielgerichteten Unterwegs-Seins (reisen, wandern). Der Chevalier Errant (eng. knight-errant) war ein „fahrender Ritter“ auf der Suche nach einer Quest, nach Abenteuern.
Im klassischen Latein bedeutete errare jedoch umherirren, ein zielloses Umherschweifen und erscheint im französischen Juif-Errant (engl.Wandering Jew).
Im Altfranzösischen bezeichnete es als errer also genau das Gegenteil des anderen, gleichlautenden Wortes (Homonymie). Wenn jemand sagte: „Il erre par le pays“, konnte das im 14. Jahrhundert bedeuten: „Er reist durch das Land“ oder „Er irrt ziellos und heimatlos durch das Land“.
Dies führte dazu, dass die positive Bedeutung nach und nach von voyager, cheminer und marcher übernommen wurden, während die negative bei errer blieb.
Im 19. Jahrhundert bezieht sich Charles Kingsley auf die Figur des „perfect knight-errant of the Middle Ages“ und listet dessen Eigenschaftn als vorbildlich auf für den reisenden Naturforscher des 19. Jahrhunderts:
»Let no one think that this same Natural History is a pursuit fitted only for effeminate or pedantic men. I should say, rather, that the qualifications required for a perfect naturalist are as many and as lofty as were required, by old chivalrous writers, for the perfect knight-errant of the Middle Ages: for (to sketch an ideal, of which I am happy to say our race now affords many a fair realization) our perfect naturalist should be strong in body; able to haul a dredge, climb a rock, turn a boulder, walk all day, uncertain where he shall eat or rest; ready to face sun and rain, wind and frost, and to eat or drink thankfully anything, however coarse or meagre; he should know how to swim for his life, to pull an oar, sail a boat, and ride the first horse which comes to hand; and, finally, he should be a thoroughly good shot, and a skilful fisherman; and, if he go far abroad, be able on occasion to fight for his life.«
Doiron, Normand
Errance et méthode : interpréter le déplacement, d'Ulysse à Socrate.
XIV, 146 S. Presses de l'Université Laval, [Québec], 2011
Fuchs, Philipp
Das altfranzösische Verbum Errer mit seinen Stammesverwandten und das Aussterben dieses Wortes.
Romanische Forschungen 38 (1919) 335−391.
Online
Schutz, A. H.
„Iter“ and „Viaticum“ in French.
Studies in Philology 28.3 (1931) 513−518.
Online
Stanesco, Michel
Le chevalier médiéval en voyage: du pèlerinage romanesque à l'errance dans l'autre monde. in:
Lange, Wolf-Dieter
Diesseits- und Jenseitsreisen im Mittelalter
= Voyages dans l'ici-bas et dans l'au-delà au moyen âge.
Interdisziplinäres Kolloquium vom 17.−20. Juni 1987 im Rahmen des Kooperationsvertrages zwischen den Universitäten Paris-Sorbonne IV und Bonn in Bad Honnef. 247 S. Bonn 1992: Bouvier.
Stanesco, Michel
Jeux d'errance du chevalier médiéval: aspects ludiques de la fonction guerrière dans la littérature du Moyen Age flamboyant.
Leiden 1988: Brill.
Online
Konzepte anderer Sprachräume
Altaische Sprachen
Altaische Sprachen (z. B. mong. аялал, aja-n ‘travel, journey, expedition’; jakutisch Айан) zeigen Parallelen mit uralischem *aja- ‘treiben, jagen, sich bewegen’. 16)
Bantusprachen
In den Bantusprachen (rugendo/thabari (Kikuyu), uhambo (Xhosa, Zulu), rwendo (Shona) ) wird das Unterwegs-Sein von 'Gehen' abgeleitet. Vereinzelt findet sich die Übertragung auf 'jemanden besuchen' und 'es wird beginnen' (ita mwanza, Ng’hwele), wiederholt finden sich die Wurzeln -genda, -gya (-ja, -ya), -tamba, -hamba (march, walk), -pita (pass), -(h)ita. 17)
Chinesisch
Im Chinesischen bezeichnet 客 kè abstrakt eine 'Person, die eine bestimmte Handlung verfolgt'. Der älteste Beleg aus der Vor-Qin Periode bis 221 BC benennt damit einen Besucher, der als Gast aufgenommen wird. Dies wird nachfolgend übertragen auf Reisende jeder Art mit einem bestimmten Auftrag, auch Gesandte oder Krieger.
Bianca Basciano, Sofia Bareato
Chinese Affixes in the Internet Era. A Corpus-Based Study of X-族 zú, X-党 dǎng and X-客 kè Neologisms.
Sinica venetiana 6. Corpus-Based Research on Chinese Language and Linguistics, (2020) 239-282
Ewenkische Sprache
Die nomadisch lebenden Ewenken sind traditionell Rentierzüchter und besiedeln eine Fläche, die größer ist als Europa. Mit ihrem 'von Ort zu Ort unterwegs sein' verbinden sie zwei Vorstellungen:
Nulgän, nulgänmäj, nulgädäj
ist der Zug mit einer Rentierherde über eine Strecke mit Übernachtung.
Ömčidäj
beinhaltet dagegen das ‚von Ort zu Ort unterwegs sein‘ mit der Familie.
Krivoshapkina, Ekaterina Afanas’evna,
Svetlana Mitrophanovna Prokopieva
Ethno-Cultural Concept ‘Reindeer Breeding’ in the Even.
Rupkatha Journal on Interdisciplinary Studies in Humanities 8.3 (2016) 13–23.
DOI,
pdf
Japanisch
Sylvie Guichard-Anguis;
Okpyo Moon (Hg.)
Japanese Tourism and Travel Culture
(=Japan anthropology workshop series) XV, 238 S. Abingdon, Oxon 2009: Routledge.
Inhalt Online
Einleitend wird der Begriff
tabi (Reisen;
tabito ‚Reisender’) kulturell und historisch erläutert; er wurzelt in Reisen zu Fuss durch die Natur, beispielsweise auf den Wegen
Tokaidô zwischen Tokyo und Kyoto oder auf dem
Nakasendô durch die Berge im Landesinneren. Der moderne Begriff
ryoko erweiterte die Vorstellung des Reisens um technische Hilfsmittel, etwa das Reisen mit der Eisenbahn; beide enthalten ursprünglich das Zeichen für ‚Bewegung‘. Beispiele für tabi finden sich in den Werken der Reisedichter
Saigyō und
Bashō'.
Ivy, Marilyn
Discourses of the vanishing. Modernity, phantasm, Japan.
XI, 270 S. Chicago 1995: University of Chicago Press.
Inhalt
-
tabi 旅 heißen auch die Socken, bei denen der große Zeh derart im Socken getrennt ist, das der Steg traditioneller japanischer Sandalen (geta) dazwischen passt.
Saami
mannoo ‘Reise’ (Ume Saami), t´ähä mänȫ ‘for some time lately’ (Ludic), ühthe män(d)ho ‘at a stretch, without stopping’ (Veps), *me̮ nō ‘going, trip, occasion’ (Saami), meno ‘going; loss; expenses; commotion’ (Finn.) aus den Verben mene- (Finn.) und *me̮ ne̮- (Saami), beides ‘go’ (< PU *meni-). 18)
Hamitosemitische Sprachen
Altägyptisch, nachfolgendes Koptische und das Berberische (Tuareg, Schilhisch) bilden Zweige der afroasiatischen Sprachfamilie (auch: hamitosemitisch)
Die altägyptisch Hieroglyphe sqd für 'Reisender' zeigt diesen mit einem Ruder in der Hand.
Die Hieroglyphe (Determinativ) hnw für 'Sack träger' zeigt diesen in den Annalen Amenemhets II. mit dem Beutel an einer Tragestange. Leicht abgewandelt kennzeichnet sie auch andere mobile Gruppen und später im Neuen Reich auch Reisende nach Punt. 19)
Bedeutungsverwandt sind:
rwj Wanderer
smntj Prospektor, Kundschafter (Leute des Expeditionswesens)
mjnjw Hirte
šm∋ Nomade
md∋j.w Medja-Leute
š∋sw Beduine erscheint erst ab der 18. Dynastie.
Guglielmi, Waltraud
Eine “Lehre” für einen reiselustigen Sohn. (Ostrakon Oriental Institute 12074)
Die Welt des Orients 14 (1983 ) 147–166.
Online
Mit zahlreichen Ausdrücken aus der Seefahrt und einem Zitat aus dem „Schiffbrüchigen“. Der Sohn wird als Verdrehter bezeichnet, weil er sich abgewendet hat. Themen sind »das heimliche Ausreißen und die Seefahrt des Sohnes«: Einsamkeit, fahren, segeln,
mtn ‚Weg, Kurs‘ und
mtn t∫h‚verwirrter Kurs‘. Besonders häufig erscheint
mdw.t in der konkreten Bedeutung für Meerestiefe und in der übertragenen für
Unterwelt.
sikel < saykal, s-k-l
Gábor Takacs
Etymological dictionary of Egyptian.
Brill, Boston, 1999-2008, hier Band 3, S.756 ff.
sikel < saykal 'reisen';
mtn '
Führer', Khabir, Scheich; auch mtn '
Weg', mtn 'anweisen'
Werner Vycichl
Eine vorhamitische Sprachschicht im Altägyptischen.
Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 101 (1951) 67−, hier S. 72:
„Schilhisch tikělt oder tikli 'Mal' und sīkěl 'reisen', tuareg tēkle 'Reise' [Marsch] aus *ta-jkle mit seinem Stamm j-k-l scheint zu ägyptisch m-j-c-n koptisch MOEIT zu gehören, einem nomen loci mit Präfix ma zu einer Wurzel j-k-l, betreten, reisen, gehen'. Sikel ist Kausativ, aus *sajkal“
Juan Alvarez Delgado
Instituciones políticas indigenas de la isla de Gran Canaria. Guaires y cantones. Guanartemes y reinos.
Anuario de estudios Atlánticos 28 (1982) 265−289, hier: 285−286
Online
Der Autor deutet den Guanchennamen Isaco mit dem Tuaregwort
sîkel als 'verlorenen Menschen':
„Ysaco o Isaco, no Hisaco de Chil, ni Saco, como escribió la edición de Abréu, dejando en el renglón anterior como conjunción la Y inicial de la voz. Pienso que corresponde a Isákul, «hombre perdido física o moralmente“ o „extraviado“, nombre que deriva del verbo tuareg akel, akul, agil, ukaL, «perderse», que en forma factitiva sîkel, sâkul, sakai es la base de isakul. Esta forma original perdió en Gran Canaria el fonema final, poco propio y casi desusado en guanche, quedando Isâku = Isaco„
Semitische Sprachen
→ Liste von Reisenden im semitischen Sprachraum
Im semitischen Sprachraum tritt die Vorstellung vom Weg in diesem Zusammenhang zurück im Vergleich zu 'senden', 'zählen', 'schreiben' und verbindet dies mit 'Boten' als administrativen Gesandten und 'Fahrenden Händlern'. Dabei verschmelzen Begriffe aus unterschiedlichen Wurzeln. Der rekonstruierten *proto-semitischen Wurzel s₁-f-r (auch: *ŝ-p-r oder *ś-p-r) wird die konkrete Bedeutung ‚enthüllen, abschaben …‘ zugeschrieben, die sich auf das Schreiben auf Pergament (abgeschabte Tierhäute), Rinde oder Einritzen auf Ton übertrug und damit die abstrakte Bedeutung von Schreiben und Zählen annahm, schließlich auch auf das Schriftstück selbst und auf das Senden desselben übertragen wurde.
Safar, s-f-r
s-h-r
akkadisches saharu 'drehen, umrunden', sich abwenden > den Rücken zeigen
The Assyrian dictionary of the Oriental Institute of the University of Chicago Band S, 1962/2004
zu şâdu A: [ni-in] LAGAB = lamû, sahāru, şa-a-du ausführlich S. 57 ff.; auch şaddu 'Zeichenträger'
akkadisches 𒆥 KIN šapāru(m) `senden´ > he. zählen, aram., ug. schreiben, …
Notarius, Tania
Northwest Semitic–Akkadian Linguistic Convergence: *sipr-and Other Terms for ‘Writing’ as a Case Study.
The Scribe in the Biblical World: A Bridge Between Scripts, Languages and Cultures 547 (2022) 183.
Online
Im Hebräischen findet sich die Übertragung von sachar 'umherziehen' auf Fahrende Händler. Diese Bedeutung hat auch das ostafrikanische Safari.
Gen 37,28; Ez 27,36; Ez 38,13; Spr 31,14; Jes 23,2.8 → Bibelwissenschaft:
Händler
Macintosh, A. A.
Psalm XCI 4 and the Root סחר.
Vetus Testamentum, 23.1 (1973) 56–62.
DOI.
Ann Jeffers
Magic and divination in ancient Palestine and Syria.
Leiden 1996: Brill, S. 117 f.
etwa: דן, ירון,
Y. Dan.
Two Jewish Merchants in the Seventh Century = שני סוחרים יהודים במאה השביעית.
Zion/ציון, vol. לו, no. א/ב, 1971, S. 1–26.
Online
s-j-r
Baalla, Hamid
Substantivierung im Deutschen und Marokkanischen am Beispiel von Bewegungsverben „gehen, fahren und /sjr/“.
Hamburg 2019: diplom. de.
Online
LʾK und mlʾk
Arbach, M., Maraqten, M.
Notes on the root LʾK “to send” and the term mlʾk “messenger” in the Ancient South Arabian inscriptions.
Semitica et Classica, 11 (2018) 251–256. [Hebräisch mal'akh > Malachias 'Engel']
Jackson, C.
Locations of Manuscript Production.
In: Mevlevi Manuscripts, 1268–c. 1400. Springer, Cham 2024. Fussnote 5.
DOI
səyahət
Arin Salamah-Qudsi
Crossing the Desert: Siyāḥa and Safar as Key Concepts in Early Sufi Literature and Life
Journal of Sufi Studies 2 (2013) 129–147.
Online
Der Autor legt dar, wie der Begriff
Siyāḥa das ältere
Safar verdrängte und das Reisen von angehenden Sufi-Derwischen bezeichnete: ein absichtsloses
Unterwegs-sein, asketisch und ohne
Proviant. Detaillierte Abgrenzung zu verwandten Begriffen wie
hadjj,
rihla, im Gegensatz zu
muqīmūn, nicht reisen. Pilgern, jihād, Wissenssuche als Ziele von safar.
Aus dem Arabischen سِيَاحَة (siyāḥa) ins Persische سیاحت (siyâhat) und Türkische (seyahat) und im Raum der Turksprachen verbreitet als:
саяхат, saäxatşy саяхатшы, kasachisch
саёҳат, sayoḥat, sayyoh, sayohatchi usbekisch
sayahetchi ساياھەتچى , uigurisch
sayakatcı саякатчы, kirgisisch
säyaxätçe сәяхәтче, tatarisch
sayyoh сайёҳ, tadschikisch
səyəxətse сәйәхәтсе, baschkirisch
səyyah(az), səyahətçi, aserbaidschanisch
syýahatçy, turkmenisch
Гасанова, Эльнара Эльмановна
Способы выражения концепта «путешествие/travel/səyahət» в английской и азербайджанской лингвокультурах.
Вестник Вятского государственного университета 7 (2015) 57−60.
(= Gasanova, El'nara El'manovna: Sposoby vyrazheniya kontsepta «puteshestviye/travel/səyahət» v angliyskoy i azerbaydzhanskoy lingvokul'turakh.)
Die Autorin versucht, die Grenzen des Konzepts „Reise/səyahət“ in modernen englischen und aserbaidschanischen Sprachen durch die Auswertung von Wörterbüchern zu bestimmen.
Literatur & Verweise
Übergreifend
Badura, Jens, Cédric Duchêne-Lacroix, Felix Heidenreich
Praxen der Unrast: von der Reiselust zur modernen Mobilität
Se faire mobile: du goût au voyage à la mobilité moderne.
177 S., Berlin Lit 2011. Inhalt u.a.:
Jean-Didier Urbain
Tod und Tourismus: eine Semiotik der Kultur
Elisabeth Ruchaud
Peregrinatio et voyage au début du Moyen Âge
Pia Doering
Die
Reise als Ausgangspunkt moralistischer Reflexion in den Fabeln
La Fontaines
Felix Heidenreich
Une nouvelle forme de déambulation: penser et
marcher dans les „Réveries d'un promeneur solitaire“ de
Rousseau
Anna-Helena Klumpen
Identität mosaïque à l'ère de la
mondialisation: le tour de manège du „devenir Vera“ dans le film „Becoming Vera“
Hannes Fernow
Wo wohnen
Nomaden? Der Augenblick im Spannungsfeld von Mobilität und Sesshaftigkeit
Bruno Gransche
Mobilität als Metamorphose des Menschen: der Cyborg als Prototyp des
Unterwegsseins
Cédric Duchêne-Lacroix
Archipel: un entretien
Darja Reuschke
Postmoderne Mobilitäten: zirkuläre räumliche Mobilität über grosse Distanzen für Beruf und Partnerschaft
Jens Badura
Ausflucht ins Ambiente: Sondierungen zum Tourismus
Paolo Bianchi
Go, Travel, Drive, Move.
in: Paolo Bianchi (Hg.): Ankommen - Hiersein - Weggehen. Köln 1997: Kunstforum International 136.
Winfried Breidbach
Reise - Fahrt - Gang. Nomina der Fortbewegung in den altgermanischen Sprachen.
Peter Lang 1994 Diss. Köln
Busatta, Sandra
Tourism as Pilgrimage?
Antrocom: Online Journal of Anthropology 14.1 (2018).
Online
Die Autorin bietet einen guten Überblick über die etymologische und zeitliche Verbreitung der Begriffe
travel, journey, voyage, tourism, tourist, pilgrim, pilgrimage, vacation, holiday, feast, fair verbunden mit
sacred/profane, sacer, otium/negotium.
Durán-Sánchez, Amador,
José Álvarez-García,
María De la Cruz Del Río-Rama,
Cristiana Oliveira
Religious Tourism and Pilgrimage: Bibliometric Overview
Religions 9.9 (2018) 249.
DOI
Wuthenow, Ralph Rainer
Die erfahrene Welt
Europäische Reiseliteratur im Zeitalter der Aufklärung
457 S. Frankfurt am Main: Insel 1980
Englisch / Spanisch
Шевченко, Станислав Викторович
Изо-и алломорфные характеристики единиц лексико-семантических полей “Travel” и “Viaje” в английском и испанском языках
выпускная бакалаврская работа по направлению подготовки: 45.03. 02-Лингвистика. Bachelor-Abschlussarbeit im Bereich Linguistik. 63 S. Tomsk 2019.
Online
(=Shevchenko, Stanislav Viktorovich:
Izo-i allomorfnyye kharakteristiki yedinits leksiko-semanticheskikh poley “Travel” i “Viaje” v angliyskom i ispanskom yazykakh: vypusknaya bakalavrskaya rabota po napravleniyu podgotovki
(= Iso- und allomorphe Eigenschaften von Einheiten der lexikalisch-semantischen Felder (LSP) „Travel“ und „Viaje“ in Englisch und Spanisch)
Der Autor ermittelt 157 englische und 103 (oft polysemantische) spanische Lexeme aus Wörterbüchern zu den LSG „Bewegung, Ortswechsel“; „Reisender“; „Nutzung von Verkehrsmitteln zum Transport“; „Reisen zum Entspannen“. Im Spanischen findet sich der Schwerpunkt der Lexeme im Bereich Ruhe und Entspannung, im Englischen dagegen in den Bereichen Reiseablauf und Bewegung. Die Lexeme sind im Anhang kategorisiert und hierarchisiert.
LSP= Лсп Лексико-семантическое поле (Leksiko-semanticheskoye pole), LSG= ЛСГ лексико-семантической группы (leksiko-semanticheskoy gruppy)
Englisch / Ossetisch
Баликоева, М. И.,
Ф. С. Дзуцева
Способы Выражения Концепта „Путешествие“ В Осетинском И Английском Языках.
Современный ученый 2 (2019) 214−218.
(=Sposoby Vyrazheniya Kontsepta“ Puteshestviye„ V Osetinskom I Angliyskom Yazykakh M. I. Balikoyeva, F. S. Dzutseva: Sovremennyy uchenyy, 2019
Inhalt
Predmetom issledovaniya v dannoy stat'ye yavlyayetsya kontsept «Puteshestviye» v angliyskom i osetinskom yazykakh. Ob“yektom dannogo issledovaniya yavlyayetsya LSP.
Gegenstand dieser Arbeit ein Vergleich der Konzepte des „Reisens“ im Englischen und im Ossetischen mittels des LSP-Ansatzes.
Deutsch / Ukrainisch / Russisch
Ляховин, О. Б.
Концептосфера подорож в українському, російському та німецькому паремійному фонді.
Лінгвістичні дослідження. № 32 (2011) 75–79.
Online
(=
Lyakhovyn, O.
The conceptsphere TRAVELLING in Ukrainian, Russian and German paroemias. (travel, voyage …)
Півньова, Л. В.
Еволюція поняття мандрівник в українському лексиконі. Наукові праці Кам'янець-Подільського національного університету імені Івана Огієнка.
Філологічні науки. 29.1 (2012) 77–80.
Online
(= Die Entwicklung des Konzepts eines Reisenden im ukrainischen Lexikon.)
Englisch / Ukrainisch
Колонюк, Сергій,
Тетяна Космеда
Концепт подорож (мандрівка) як предмет лінгвістичних досліджень початку XXI ст.
Collection of scientific papers «SCIENTIA» Helsinki, Finland December 2 (2022) 86-87.
(=Das Konzept des Reisens als Gegenstand der Sprachforschung zu Beginn des 21. Jahrhunderts.)
Die Autoren untersuchen das Begriffsfeld um
travel/journey (укр. Подорож, Мандрівка/Podorozh, Mandrivka) auf der Basis von Wörterbucheinträgen (u.a. Longman Dictionary of Contemporary English, Online Etymology Dictionary) als
«the general activity of moving from one place to another» (укр. «дію з переміщення з одного місця до іншого»/),
«someone’s journeys to or in places that are far away» (укр. «подорожі до /або з/ дале-ких місць»), moving (укр. Переміщення) far away (укр. далеко в просторі). Nachfolgend werden die zentralen Begriffe mit der ukrainischen Übersetzung referiert:
Journey erscheint ab dem
12. Jahrhundert zuerst im Sinne von
«a day’s journey» (укр. «денна подорож») und ab etwa
1400 als
«act of traveling by land or sea» (укр. «процес подорожі сушею чи морем») und später in immer weiterem Sinne als
«an occasion when you travel from one place to another – used especially about travelling a long distance, or travelling somewhere regularly» (укр. ‘випадок, коли подорожують з одного місця в інше – уживається щодо далеких подорожей або регулярних подорожей у певному напрямку»), «a long travel» (укр. «далека подорож») und
«someone who is on a journey or someone who travels often» (укр. «той, хто подорожує»).
Traveler bezeichnet seit dem Ende des
14. Jahrhunderts sowohl
«someone who is on a journey or someone who travels often» (укр. «той, хто подорожує») als auch
«someone who travels around from place to place living in a caravan» (укр. Британська англійська / «той, хто подорожує з місця на місце, живе в автомо-більному будинку, трейлері»).
Journeyer ‚Reisender‘ aus to journey (укр. «подорожувати») ist veraltet und wurde wohl durch ‚
tourist‘ verdrängt.
Voyage (укр. Вояж) ab etwa 1300 im Sinne von «travel, journey,
movement, course, errand, mission, crusade» (укр. «подорож, мандрівка, рух, курс, доручення, місія, Хрестовий похід») aus lateinischem
viaticum «provisions for a journey» (укр. «забезпечення для подорожі»).
Cruise wurde in der Zeit der ersten
Weltumsegelungen aus dem niederländischen entlehnt:
kruisen (позначало)
«to cross, sail to and from» (укр. «перетинати, плисти туди-сюди»),
kruis («що позначає),
«cross» (укр. «хрест»),
«a voyage taken in courses» (укр. «подорож за певним кур-сом, напрямком»).
Tour (укр. коротка подорож, поїздка) entlehnt aus dem Altfranzösischen als
tour, tourn «movement in a circle, turn» (укр. «рух по колу, поворот»),
«a long walk or excursion» (укр. «довга прогулянка або екскурсія»).
Trip (укр. «поїздка») ab dem 14./15. Jahrhundert entlehnt aus altfranzösischem
triper, erst später übertragen auf
«a visit to a place that involves a journey, for pleasure or a particular purpose» (укр. «відвідування місця, що передбачає подорож, для задоволення чи з іншою метою»).
Walk im Sinne von
‚sich zu Fuß bewegen‘ (ukr. «пересуватися пішки») entstand um
1200 durch das Verschmelzen der altenglischen Verben
wealcan «to toss, roll, move round» (укр. давньоанглійська «кидати, котити, руха-тись») und
Wealcian ‚to roll up, curl’, also ein Ziehen und Drücken von etwas. Im
15. Jahrhundert beschrieb es das Bewegen von
Karren, dann das ‚Weggehen‘
«go away» (укр. «піти геть»),
«walking a horse or taking a dog for a walk» (укр. «виходжувати коня або виводити собаку на про-гулянку») und schließlich 1620
«to accompany someone during a walk» (укр. «супроводжу-вати когось під час прогулянки»).
Road (ukrainisch: дорога) aus altenglischem ‚rad‘ als
„eine zu Pferd durchgeführte Expedition“ (укр. «експедиція, здійснювана верхи; подорож, вороже вторгнення») wird erst ab 1590
„ein offener Durchgang oder Weg für die Reise zwischen zwei Orten“ (укр. «відкритий прохід або шлях для подорожі між двома місцями»).
Way aus Altenglischem weʒ
‚Weg, Straße, Ort, Raum und Bewegungsfreiheit‘ (укр. «шлях, дорога, стежка, місце, простір і сво-бода руху») erscheint im 14. Jahrhundert als
‚in the way‘ (укр. «стояти на шляху, заважати, перешкоджати») im Sinne von ‚in der Ferne‘. Ab 1530 erscheint
path (ukrainisch шлях) synonym.
Колонюк, Сергій Миколайович
Інтерпретація Своєрідності Концепту Англійської Мови Travel (Journey) Через Смислові Структури Лексем Voyage, Cruise, Tour І Walk (На Матеріалі Тлумачних Словників).
S. 229−231 in: The XXXVI International Scientific and Practical Conference «Modern problems and the latest theories of development», September 11-13, 2023, Munich, Germany. 275 S. [Ukrainisch]
Online
Мизин Тетяна Олексіївна
Лексеми «Tourist / Турист» В Англійській Та Українській Національно-Мовних Картинах Світу
(=
Myzyn Tetyana Oleksiyivna:
Leksemy «Tourist-Turyst» V Anhliysʹkiy Ta Ukrayinsʹkiy Natsionalʹno-Movnykh Kartynakh Svitu)
Слобожанський науковий вісник. Серія: Філологія, випуск 5 (2024) 39–43
DOI
Englisch / Russisch
Масленникова, Юлия Тимофеевна
Актуализация концепта «Путешествие» в русской и английской лингвокультурах (на примере словарных статей).
Science Time 10.22 (2015) 248−252.
Online
(= Maslennikova, Yuliya Timofeyevna: Aktualizatsiya kontsepta «Puteshestviye» v russkoy i angliyskoy lingvokul'turakh (na primere slovarnykh statey).
= Der Begriff „Reise“ (Путешествие) in russischen und englischen Sprachkulturen (am Beispiel von Wörterbucheinträgen).
Мухер, Екатерина Евгеньевна
Лексико-семантическое поле концепта «путешественник» в английском и русском языке.
Выпускная квалификационная работа бакалавра bei Римушкина Екатерина Юрьевна. Санкт-Петербург 2017.
Online
(= Mucher, Ekaterina Evgenievna: Lexikosemantisches Feld des Begriffs „Reisender“ im Englischen und Russischen. Bachelor-Abschlussarbeit bei Rimushkina Ekaterina Yurievna. St. Petersburg 2017)
Die Autorin untersucht 17 englische und 13 russische Lexeme, die Reisende bezeichnen und versucht deren Eigenheiten systematisch zu vergleichen:
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